Grünkraft – kostenlos tanken!

Es ist das satte Grün, das uns magisch anzieht. Es ist dieser feuchte, erdige und doch frische Geruch, der uns dazu verleitet die Nasenflügel aufzublasen. Tief und satt strömt diese herrliche Brise durch die Nase und breitet sich wie ein grüner Teppich in uns aus. Ein Atemzug und der Körper vollzieht eine innere Vollbremsung. Angekommen – im Wald. Angekommen – in der Ruhe.

Was ist das Besondere?

Ich bin neben dem Wald aufgewachsen. Für mich war es als Kind selbstverständlich zu jeder Zeit in den Wald abzutauchen. Wir haben Waldhäuser und Staudämme gebaut, haben uns Waldgeister kreiert und sind mutig von Stein zu Stein gesprungen – dazwischen der „reißende“ Bach. Ein Tag ohne Wald war quasi ein verlorener Tag. Auch wenn es uns nicht bewusst war, der Wald hatte schon immer diese besondere Anziehungskraft.

Heute ist mir dieses Besondere sehr wohl bewusst. Aber was ist dieses Besondere tatsächlich?

Biophilia*

Der Psychotherapeut und Philosoph Erich Fromm benannte die Sehnsucht des Menschen nach der Natur Biophilia. Wörtlich übersetzt aus dem Griechischen bedeutet dieser Begriff „Liebe zum Leben“.

Web of Life*

Der Harvard Professor Edward O. Wilson griff den Biophilia Begriff auf und definierte die Biophilia-Hypothese, die besagt, dass es ein menschliches Bedürfnis ist, sich mit anderen Lebewesen und der Natur zu verbinden. Laut Edward O. Wilson sind wir Teil des Netzes des Lebens, dem sogenannten Web of Life.

* (vgl. Clemens G. Arvay, Der Biophilia Effekt)

Biophilia – Web of Life – wie auch immer wir es benennen, es ist diese Verbundenheit, die wir spüren sobald wir in den Wald eintauchen. Unbewusst fahren wir unsere Energiepaneele aus und tanken kräftig auf. Das ist das Besondere!

Welchen Treibstoff stellt uns der Wald zur Verfügung?

Grünkraft – Viriditas

Über 900 Jahre ist es her, dass Hildegard von Bingen den Begriff Viriditas (vom lat. viridis = grün) definierte. Diese sogenannte „Grünkraft“ steckt in der gesamten Natur, sprich in den Menschen, Tieren, Pflanzen und Mineralien. Es ist diese ursprüngliche Kraft, in der laut Hildegard von Bingen die Grundlage für Heilung steckt. Monotonie und Alltagsstress schwächen die Viriditas. Nehmen wir uns jedoch die Zeit und tauchen in die Natur ein, tanken wir wieder Grünkraft auf.

Auftanken – mit der Natur kommunizieren!

Terpene

Was Hildegard von Bingen wahrscheinlich intuitiv erfasst hat und was wir nun über 900 Jahre später wissenschaftlich beweisen können, Pflanzen kommunizieren direkt mit unserem Immunsystem, ohne dass wir die Pflanzen essen müssen. Die Kommunikation erfolgt dabei über Duftstoffe, sogenannte Terpene.

Was bewirkt dieser Natur-Treibstoff?

Kraft für unser Immunsystem

Unser Immunsystem entpuppt sich immer mehr als intelligentes, wahrnehmendes und kommunizierendes Sinnesorgan. So kommuniziert das Immunsystem nicht nur mit den Organen, den Systemen in unserem Körper sowie unserem Gehirn, vielmehr tritt es auch in Kontakt mit der Außenwelt. Es nimmt Reize, Viren, Bakterien und Pilze wahr und reagiert entsprechend seiner entwickelten Abwehrkräfte.

Tauchen wir mit dem „Sinnesorgan“ Immunsystems in den Wald ein, saugt es förmlich alles auf, was der Wald an Kraft, Ruhe, Balance und Duftstoffen (Terpene) zu bieten hat. Die tatsächlich körperlich messbaren Auswirkungen sind dabei enorm. Untersuchungen von Umweltpsychologen und –Medizinern der Medizinischen Universität Wien haben gezeigt, dass das Herz ruhiger schlägt, der Blutdruck sinkt und sich die Muskeln bei einem Waldaufenthalt merklich entspannen. (vgl. Daniela Haluza, Umweltmedizinerin, Uni Wien)

Anspannung und Stress versickern sozusagen im Waldboden, an deren Stelle tritt ein gesteigertes Bewusstsein für positive Empfindungen. Sprich die Negativtendenz unseres Gehirns, die normalerweise dafür sorgt, dass wir uns auf Negatives konzentrieren, wird umgekehrt. Die Stimmung hebt sich merklich und wir sehen die Dinge durch eine neue, gelassenere (grünere) Wahrnehmungsbrille.

Kraft für unsere Genesung

Der schwedische Gesundheitsforscher Roger Ulrich hat gezeigt, dass schon alleine der Blick in die Natur die Genesung vorantreibt und sie mit einem geringeren Einsatz von Schmerzmitteln einhergeht. Japanische Forscher haben wiederum festgestellt, dass ein Tag im Wald die Anzahl der Killerzellen im Blut wesentlich ansteigen lässt.

So Grün …

Wenn wir in die Natur blicken, „heilt“ unser Körper. Da stellt sich mir die Frage, was unser Körper alles „sieht“, wenn er ins Grüne blickt.

Grasgrün: ist die Farbe der Natur, die Farbe von Wachstum und Frische, die den ganzen Körper harmonisiert und ausgleicht sowie emotionale und körperliche Wunden und Narben heilt. Grasgrün ist die Farbe von Erneuerung, Heilung und innerer Harmonie. (lt. Lumi-Farbtabelle, Lumira Weidner)

Wohl wahr!

Ins satte Grün eintauchen – Waldbaden

Waldbaden – in Japan Shinrin-yoku genannt – ist nichts anderes als in die Atmosphäre des Waldes einzutauchen. Verbringen wir einen ganzen Tag im Wald, erhöht sich die Anzahl der Killerzellen im Blut. Diese erhöhte Aktivität der Killerzellen bleibt danach über weitere sieben Tage bestehen. Wollen wir „nur“ unsere Stimmung erhöhen, reicht ein 5-minütiges Eintauchen in das dichte Grün.

Baden ist Entspannung, man darf faul sein, sich treiben lassen, genauso funktioniert auch das Waldbaden. Es folgt an dieser Stelle keine Meditationsanleitung für den Wald, kein Wald-Besuchs-/Bewegungsplan oder dergleichen. Denn es braucht keinen speziellen Übungen, Positionen oder Techniken, um die Grünkraft für uns zu nutzen. Es braucht nur ein bisschen Wille und Motivation, um den ersten Schritt in Richtung Wald zu gehen.

In diesem Sinne … ich steige jetzt aufs Rad und gönne mir ein bisschen Wald-Zeit.

Herzlichst,
Tanja

P.S.: Wer mehr zum Thema Heilung aus dem Wald wissen möchte, dem empfehle ich das sehr lesenswerte Buch „Der Biophilia Effekt“ (Clemens G. Arvay).