Wenn dem Glück der Sinn begegnet …

Wenn ich nur glücklich wäre, würde ich einen Tanz mit dem Apfelbaum wagen, mir seine roten Früchte stehlen und meinen Gaumen das süße Glück genießen lassen.

Zu hoch hängt der Apfel des Glücks. Unerreichbar verhöhnt er mich von da oben. Schütteln, rütteln – keine rohe Gewalt vermag mir das Glück in die Hände zu spielen.

So sitzt das Glück im Apfelbaum …

An manchen Tagen scheint das Glück unerreichbar. Auch die längste Leiter reicht nicht aus, um ihm näher zu kommen. Der Wunsch-Gedanke lässt es in all seinen schillernden Farben vor unserem inneren Auge tanzen. Aber ist das Gewand des Glücks tatsächlich so bunt?

Das gute Leben und die vielen Spielvarianten des Glücks!

Hedonismus trifft Eudämonie! Oder ohne Wortlexikon gesprochen: Genuss trifft Sinn! Nur allzu gerne stecke ich meine Nase tief ins Glück. Auf der Suche nach dem Apfelbaum samt Leiter bin ich letztendlich in der Antike gelandet. Denn dort waren die wahren Glücksexperten zuhause. Kein geringerer als Aristoteles prägte den Begriff der Eudämonie entscheidend mit.

Eine gelungene Lebensführung, gepaart mit einem ausgeglichenen Gemütszustand, der uns ein tugendhaftes Leben ermöglicht – so viel zur antiken Version der Eudämonie. Ob das schon die richtige Leiter zum (Apfel)Glück ist?

Manche Leute sehen im höchsten Glückspegel – der Selbstverwirklichung – die Fähigkeit, alle dem Organismus innewohnenden Potentiale auszuleben.
(Csikszentmihalyi, Mihaly)

Selbstverwirklichung = Potentialentfaltung = Glück – das klingt schon mal ganz vielversprechend, aber ist der Weg der (Selbst)Verwirklichung nicht doch etwas zu schmal fürs breite Glück?

In der Kontrolle der negativen Emotionen liegt eines der Geheimnisse des Glücks.
(Klein, Stefan)

Oh, die hohe Kunst der Kontrolle! Einerseits ziehe ich den Hut vor diesem Handwerk, anderseits führt es uns, wenn wir auf seinen Kompagnon “Loslassen” vergessen, in so manches Verderben. Statt der Kontrolle verwende ich, wenn’s ums Glück geht, lieber das Wort “Schattensprung” oder “Kleiderwechsel”.

Stecke ich im Ärger fest, stelle ich mir vor, wie ich bildlich aus den Kleidern der Enttäuschung schlüpfe und die Sache mal nackt betrachte. Kleiderlos, ärgerlos und so objektiv wie möglich werfe ich einen Blick auf meinen Frust. Wenn die Sache bloß so einfach wäre! Schattensprung hin oder her, schon stecke ich wieder in den alten Klamotten. Manchmal braucht es einfach mehr Bewegung, um den gedanklichen Sprung tatsächlich zu vollführen.

Mit einem lauten (innerlichen) STOPP wechsle ich meine aktuelle Position und steige aus meiner Enttäuschung tatsächlich körperlich heraus. Oft braucht es ein zwei Platz-Wechsel, um den Ballast letztendlich loszuwerden. Mit einem letzten bewussten EIN- und AUS-atmen verabschiede ich mich von der “Ärger-Seite” und fasse in der Vorfreude Fuß. Hoch die Tassen, auf das was kommen mag. Und schon darf der Körper seinen Beitrag zum Glück leisten und dem Glückshormon der VOR-FREUDE, dem Dopamin, freien Lauf lassen.

Wenn dem Glück der Sinn begegnet …

Die Spiel- und Erklärungsvarianten des Glücks sind unendlich groß und doch starte ich noch einen Versuch sie sinnhaft zu erfassen …

1) Sinnhaftigkeit macht uns nicht nur glücklich, vielmehr ist es auch gesund!

>>Wer sein Leben als bedeutungsvoll empfindet lebt länger!<< Eine kraftvolle Aussage, die uns die Wissenschaft hier vor Augen führt. Wenn wir unser Leben für sinnvoll empfinden, achten wir viel bewusster auf unsere Gesundheit, so das Conclusio diverser Studien.

Die Untersuchungen der Psychologin Barbara Fredrickson gehen sogar noch einen Schritt weiter: ein sinnbehaftetes (eudämonisches) Wohlbefinden hemmt schädliche Entzündungsreaktionen und stärkt unsere Immunabwehr.

2) Glück ist die Erfahrung von Freude und Sinn!

Ja, wir dürfen auch einfach nur genießen und der nackten Freude Tür und Tor öffnen! Aber so wie jeder Berg seine Täler braucht, wächst das Glück neben der hohen Freude auch durch den tieferen Sinn.

3) Zugehörigkeit – wie wir Glück & Sinn sprichwörtlich begegnen können …

Bedeutung ist nicht etwas, das wir in und für uns selbst erschaffen. Bedeutung liegt vielmehr größtenteils in anderen.
(Emily Esfahani Smith)

Der kurze Blickwechsel, das wortlose Danke, ein einfaches Lächeln für eine kleine Hilfestellung im Alltag, nicht selten sind es diese scheinbar belanglosen Begegnungen, die uns so viel Bedeutung schenken. Diese kurze Verbundenheit zwischen oftmals Fremden zaubert Sinn in unser Leben und schafft damit eine wertvolle Basis für unser Glück.

4) Zwecklos ist sinnlos!

Es ist DIE Aufgabe, die uns ermöglicht einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten, sei es im Großen oder im Kleinen. Sie öffnet uns die Augen für den Sinn im Leben und beschenkt uns mit einem neuen Blick fürs Glück.

Sinn ist gesund!
Glück braucht Freude + Sinn!
Begegnung bringt Sinn!
Aufgabe fordert Sinn!

Jeder Aspekt eine Sprosse auf der Leiter zum Glück.

Was sind die Sprossen deiner Leiter? Wo steht der Baum, auf dem dein Glück wächst?

Genussvoll, Tanja

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